Marlis Potgrave – unsere Präsidentin seit 1986

Ein bewegtes Leben für den Karneval, kaum jemand hat den Verein so geprägt wie unsere Marlis. Dabei fing alles an, als sie aus rechtlicher Sicht noch nicht alle Entscheidungen selber treffen durfte, denn...

... sie war noch nicht volljährig im Mai des Jahres 1967 als Herbert Bögel, seines Zeichens nicht nur Präsident der Knüppelhusaren von 1955-1983 sondern auch Vater unserer Marlis, seiner Tochter gleich 10 Deutsche Mark aus dem Portemonnaie abluchste, die sie gewinnbringend zur Hälfte in den Aufnahmebeitrag und in den Mitgliedsbeitrag aufteilte.

Gewinnbringend für alle, denn das karnevalistische Gen hat Marlis von ihrem Vater voll und ganz geerbt. Das das natürlich auch den Mitgliedern zugute kam und kommt, ist klar, denn kaum jemand sonst lebt den Karneval mit solch großem Herz und Liebe zur Tradition.

Doch nicht zuletzt sollte diese weit vorausschauende Investion unserer Marlis auch beruflich den Kick gegeben haben, führte es sie doch in die Welt der Hochfinanz
sprich hinte
r den Schalter der Sparkasse Essen.

Der Nachwelt erhalten ist dieses Dokument vom 20.05.1967, welches zwei der wichtigsten Finanztransaktionen der Knüppelhusaren bestätigt (Mausklick auf das Bild öffnet eine vergrößerte Ansicht):

Karnevalistisch sollte Marlis alles von der Pike auf lernen. So begann sie als Tanzmariechen und zeigte sich erstmals pressewirksam der Öffentlichkeit auf dem 1. Karnevalsfest der Essener Polizei, wie die NRZ am 03.02.1968 berichtete.

Von links nach rechts im Bild: die blutjunge Marlis, Dagmar Lock, Polizeipräsident Hans Kirchhoff und Eveline Flintrop (Mausklick auf das Bild öffnet eine vergrößerte Ansicht).

Viele Jahre sollte das Karnevalsfest der Essener Polizei im Saalbau an der Huyssenallee zum festen Programm des Essener Karnevals und zu einer der beliebtesten Veranstaltungen überhaupt werden, doch mit dem Umbau zur Philharmonie war leider auch das Ende dieser Veranstaltungsreihe besiegelt.

Noch sind wir jedoch nicht soweit, die kommenden 15 Jahre nach dem ersten Foto sollten neben dem Karneval auch der Gründung ihrer eigenen Familie dienen. Am 22.04.1972 heiratete Marlis ihren Dieter, nahm seinen Nachnamen an und hieß fortan Potgrave. Das dieser Name zu den prominentesten im Essener Karneval werden sollte, war damals allerdings noch nicht abzusehen, wenngleich auch zu erahnen. Dieter, ebenfalls ein Erzkarnevalist trat den Knüppelhusaren bei und ist dem Verein ebenfalls bis heute treu geblieben. Als Vorstandsmitglied bekleidet er das Amt des 2. Kassierers.

Nachwuchs sollte sich ebenfalls recht bald ankündigen, so kam Sohn Sven zur Welt. Doch irgendwie sollte das Gen eine Pause geplant haben, so war Sven zwar als Kind noch karnevalistisch tätig, aber als Heranwachsender ließ das Interesse nach und andere Dinge gerieten in den Vordergrund. So ist das bis heute geblieben, doch das große Herz beider Eltern sollte als Garantie dafür dienen, deshalb nicht verstoßen zu werden. Mittlerweile ist Sven ebenfalls Vater eines kleinen Sohnes, und wie zu erwarten, tun beide Großeltern ihr Bestes, das eine Generation schlafen gelegte Karnevalsgen in der nächsten Generation wieder zu wecken.

Doch zurück in die 70er-Jahre. Herbert Bögel, auch HB genannt war mittlerweile nicht nur Präsident der Knüppelhusaren sondern auch seit 1966 Sitzungspräsident sowie seit 1973 1. Vorsitzender des Festkomitee Essener Karneval e. V. Aus HB wurde BB - aus Herbert Bögel wurde Boß Bögel.

Familienleben, die Arbeit bei der Sparkasse und ein ambitioniertes Vereinsleben sollte Marlis durch die 70er-Jahre führen. Dem Vertrauen der Knüppelhusaren sollte sie als 1. Kassiererin im geschäftsführenden Vorstand gerecht werden. Doch dann kam der Tag, als der Boß eine Entscheidung tätigte:

10 Jahre als 1. Vorsitzender des FEK und 30 Jahre als Präsident der Knüppelhusaren sollten genug sein, es wäre an der Zeit, Platz für jüngere zu machen, so schrieb die WAZ in einem Interview 1983. Das sie dabei aus Herbert Leo gemacht hat, sei verziehen, längst war "Boß" das Markenzeichen.

Wird sie nun in die Fußstapfen ihres Vaters treten? Nein, Marlis' Zeit war noch nicht gekommen. Mit Volker Meurer sollte junges Blut an die Spitze der Knüppelhusaren treten. Volker - im Verein auch als Bernd bekannt, aber das ist eine andere Geschichte - bewies mit gerade einmal 28 Jahren, dass er dem Posten mehr als gewachsen war. Wenn sich da mal nicht auch irgendein karnevalistisches Gen durchsetzte. 

Mit Bernd hatte der Verein eine gute Wahl getroffen und Marlis war weiterhin in ihrer behüteten Welt. Doch diese Ära sollte nur 3 Jahre dauern. Im Jahr 1986 erhielt er ein Angebot, welches er nicht ablehnen konnte, so verschlug es ihn beruflich nach Süddeutschland.

Nachdem der Verein erst einmal seit den frühen 50er-Jahren einen neuen Präsidenten wählen musste, war es jetzt wieder soweit, verständlich, dass jetzt eine Lösung her musste, die langfristig vor weiteren Wechsel schützten sollte.

Anders formuliert: die Schonfrist war vorbei und Marlis übernahm den Posten der Präsidentin. Wie erwartet hatte das Gen voll durchgeschlagen und das Kalkül des Vereins ging auf. Marlis bewieß von vorne herein, dass sie auf der Bühne zuhause ist. Würden wir hier schmeicheln, wäre der Begriff Rampensau angebracht.

Doch nicht nur gefühlte tausende von Moderationen und Veranstaltungen später sollten Marlis durch die nächsten Jahrzehnte bis heute begleiten, auch das Festkomitee Essener Karneval e. V. zählte Marlis einige Jahre zu ihrem Stamm, war sie doch als Hofdame der jeweiligen Stadtprinzessin tätig. Diesen Posten gab sie nach einigen Jahren in andere treue Hände, ein Zitat Ihres Vaters aus dem Interview von 1983 galt auch für sie: "Ich möchte mein Leben nun mehr in ruhigere Bahnen lenken".

Ruhigere Bahnen? Auf den Bühnen der Stadt ist sie nach wie vor präsent und insbesondere den Knüppelhusaren blieb sie treu. Bis heute sind wir stolz auf und glücklich über...

...unsere strahlende Präsidentin Marlis Potgrave.