Eine Reise ins mittelalterliche Stoppenberg

 

Acht Mitglieder des im Jahr 1919 gegründeten Theatervereins "Bunte Bühne" schlossen sich im Jahr 1937 in Stoppenberg zusammen und gründeten in der Gaststätte "Hoffrogge" die "Karnevalsgesellschaft Stoppenberger Knüppelhusaren e. V.". Als Haupt(Stand-)Quartier wurde die Gaststätte "Hallo" gewählt; bis heute ist daher der Kaiser-Wilhelm-Turm im Hallo-Park das Wahrzeichen des Vereins. In Verbundenheit mit Stoppenberg zeigte man Heimattreue und entschied sich dafür, dass historische Figuren aus der Geschichte Stoppenbergs in der Namensgebung Pate stehen sollten.

Eine fast 1000-jährige Epoche sollte im 9. Jahrhundert in Essen beginnen, als das Stift Essen durch eine Adelsgruppe um den sächsischen Adligen Altfrid, dem späteren Bischof von Hildesheim (851-874) in der Nähe des Königshofes As[t]nidhi, von dem sich der spätere Name von Stift und Stadt ableitet, gegründet wurde. Das Stift wurde zum Damenstift, in dem sog. höhere Töchter zu Stiftsdamen wurden und nachweislich ein eher sehr weltliches Leben führten. Im Jahr 1228 wurden die Äbtissinnen erstmals als Fürstäbtissin bezeichnet. Der Begriff "Fürst" sollte dabei auch die weltliche Macht kennzeichnen, sie waren bis zur Säkularisation 1803 somit Landesherrinnen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

Für die Bewohner Essens und der umliegenden Kapitel hieß das, dass sie dem dem Stift Essen gegenüber abgabepflichtig waren. Sie mussten ein Zehntel ihres Einkommens ("Der Zehnt") an den Klerus abführen. Doch auch aus militärischer Sicht war das Stift regierende Instanz. So verkündet die Chronik Stoppenbergs, dass vor etwa 500 Jahren die Bauern unseres Stiftsortes der Fürstäbtissin zum Wehrdienst verpflichtet waren. Noch heute erhaltene Urkunden dokumentieren, dass das Kapitel Stoppenberg gelobte, Dienstmannen mit Ross und Harnisch im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung zu stellen.

Das Bild zeigt die Fürstäbtissin Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach mit ihrem "Kammermohren" Ignatius Fortuna. Die Fürstäbtissin Franziska Christine regierte fast 50 Jahre (1726-1776), was die längste Regierungszeit einer Fürstäbtissin bedeutete. Noch heute findet man ihre Spuren insbesondere in Steele, wo die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung seit 1764 ein Waisenhaus betreibt. Weitere Informationen über die heutige Arbeit der Stiftung finden Sie auf der Internetseite www.ffc-stiftung.de.

Den Stoppenbergern stand jedoch nicht unbedingt der Sinn danach, denn eine der Geschichten rund um die Namensgebung der Knüppelhusaren behauptet, die Stoppenberger hätten damals ihre Mannen nur mit einem Knüppel bewaffnet, auf einem Esel sitzend, in den Krieg geschickt. Auf jeden Fall ist diese Geschichte eines Karnevalsvereins würdig, denn als im Jahr 1823 die liegengebliebenden Uniformen der Hals-über-Kopf vertriebenen französischen Besatzungstruppen im Rheinland im Karneval getragen wurden, begann die bis heute gelebte Persiflierung des Militarismus. In beiden Fällen wird der Staatsraison der Spiegel vorgehalten und wenn es den damaligen Knüppelhusaren auch nicht bewußt war, selbst damals war das gelebter, echter Karneval.

Ob die Geschichte stimmt oder nicht, sei mal dahin gestellt. Dennoch können sich die Knüppelhusaren auf eine sehr lange und alte Tradition berufen, die von Generation zu Generation in Wort und Schrift weitergetragen wurde. Kommen wir zurück zum oben bereits erwähnten Zehnt. Das Abgabewesen dieser Zeit kannte noch keine Steuern in Form von barem Geld, jeder abgabepflichtige Untertan musste seinen Zehntel in Form von Naturalien (Ernteerträgen) an das Stift und damit an die Fürstäbtissin abführen.

An bestimmten Wochentagen sah man die Bauernburschen die Tribute ihres Dienstherren gen Essen transportieren. So gemütlich wie ihr Tragetier, der damals sehr beliebte Esel, trotteten sie daher. Doch wenn das Eselchen diesen Burschen zu gemütlich lief, dann musste der Knüppel bisweilen doch nachhelfen.

Nach Erledigung ihrer Dienstobliegenheiten, sammelten sich die Burschen zum gemütlichen Tun, die Flasche ging im Kreis herum, manch Schabernack fand hier seinen Ursprung, und zur Fastnachtszeit sollen es diese Burschen bisweilen recht froh und toll getrieben haben. Nach Abschluss eines jeden Treffens fand dann das traditionelle "Eselwettrennen" statt, bei dem der Knüppel nun stark zum Einsatz kam.

Die Stoppenberger “Husaren” wussten sehr gut mit dem Knüppel umzugehen, so dass bald im ganzen Emscherbruch die "Stoppenberger Knüppelhusaren" bekannt waren.

Als mit der Zeitenwende sich das Abgabewesen änderte, transportierten die Burschen die Ernteerträge zu den umliegenden Märkten. Die Tradition wurde über Jahrhunderte aufrecht erhalten, das Eselreiten und vor allem der Humor wurden zu einem Bestandteil der Märkte, der aus unserer Heimatgeschichte nicht mehr wegzudenken ist.

Im Jahr 1919 schlossen sich junge Stoppenberger Burschen zunächst als Theaterverein "Bunte Bühne" zusammen, wo der Humor ihrer Ahnen, der alten "Stoppenberger Knüppelhusaren", traditionsgemäß fortgesetzt wurde. Im Jahr 1937 beschloss man, dieser Tradition der Vorfahren auch im Karneval nach außen gerecht zu werden und führte von da an die traditionelle Bezeichnung: "Karnevalsgesellschaft Stoppenberger Knüppelhusaren". Zu den Gründungsmitgliedern, bzw. ersten Mitgliedern gehörten u. a. Willi Lehmann, Heinrich Hidding, Jupp Hunke, Bernhard Peters, Matthäus und Albertine Heymann und Ferdinand Trost. Namen, die bis heute unvergessen mit Stoppenberg in Verbindung gebracht werden.

Am 27.04.1977 wurden aus den "Stoppenberger Knüppelhusaren" die "KG Knüppelhusaren Essen e. V. 1937". Die Esel haben heute in unserem Heimatgebiet zur Arbeit ausgedient (zumindest die Vierbeinigen), doch der Humor ist geblieben, und die Nachkommen der alten Knüppelhusaren haben es sich zur Pflicht gemacht, diesen Humor für alle Zeiten fortzupflanzen.

Dass es ihnen gelungen ist, beweist die KG Knüppelhusaren Essen e.V. 1937 alljährlich in der Karnevalszeit .